#bauchreinbrustraus: Schaut sich bitte jemand meinen Rücken an?!

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mir sehr viel Zeit gelassen habe, bis ich zum Arzt gegangen bin - oder versucht habe zum Arzt zu gehen. Das trifft es besser. Wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, wie aufwendig die Suche nach einem zeitnahen Termin wird (weil ich zwischenzeitlich nachts richtig starke Schmerzen im Rücken hatte), hätte ich es wahrscheinlich gleich gelassen.

 

Ich war in einem richtig unangenehmen Stadium angekommen: mich reißt es eines Nachts vor Schmerzen aus dem Schlaf. Ich versuche aufzustehen, aber es geht nicht einfach so wie sonst. Ich muss an das Kopfteil vom Bett greifen und drücken, um mich hochzuhiefen. Was passiert da gerade? Als ich diesen Schmerz das erste Mal spüre, bekomme ich richtig Angst.

 

Aber was ist das für ein Schmerz? Wie fühlt er sich an? Alles spielt sich im unteren Rücken ab (der Schmerz tritt mit der Zeit auch woanders auf, aber dazu komme ich noch), und stell Dir vor, Du stehst sehr lange nach vorne gebeugt (zum Beispiel weil Du mit einem kleinen Kind sprichst) und stellst Dich dann wieder gerade auf - ungefähr so, nur 100 Mal schlimmer. So heftig, dass Du Dich in allen Formen krümmst, um eine aushaltbare Position zu finden. Das ist ein heftiges Stechen, aber Du weißt nicht von welcher Stelle das Stechen kommt - es kommt gefühlt von überall. Wie gerade schon erwähnt, es sollte nicht nur beim unteren Rücken bleiben.

 

Ich stehe also aufwendig aus dem Bett auf, bewege mich, stelle mich im Bad vor den Spiegel und schaue mich an...nach 3-4 Minuten Stehen und Gehen ist der Schmerz weg. Wie das?! Hatte ich nur schlecht geträumt und mich im Schlaf verkrampft? Oder einfach nur komisch gelegen? War es vielleicht sogar nur Einbildung mitten in der Nacht? Ich bin all diese Gedanken durchgegangen. Aber der Rücken machte mir ja zu schaffen die letzten Wochen, es musste also damit zusammenhängen.

 

Das ging dann nochmal ein paar Nächte so. Und irgendwann konnte ich morgens fast gar nicht mehr selbst aufstehen. Nur nach ein bisschen Bewegung waren die Schmerzen weg und im Alltag war ich dann auch so gut wie nicht eingeschränkt. Trotzdem musste ich mich schnellstmöglich um einen Arzttermin kümmern, irgendwas war da ganz gewaltig faul. An einem Morgen, nachdem ich nachts vor Schmerzen fast gar nicht geschlafen hatte, habe ich direkt morgens beim Arzt angerufen. Und das war der Beginn einer Odyssee:

 

Ich rufe zuerst bei dem Orthopäden an, bei dem ich auch schon wegen meines Knies war, als mir das Probleme machte. Ich wusste, dass er morgens zwischen 7 und 8 Uhr "Akuttermine" hat. Und da ich mich an diesem Morgen kaum noch bewegen konnte, sah ich das auf jeden Fall als Notfall. Und ich wollte schnell einen Termin, weil ich so keine Nacht mehr "schlafen" wollte.

 

Das Gespräch mit der Arzthelferin des Orthopäden lief ungefähr so:

Ich: "Guten Morgen, ich kann mich fast nicht mehr bewegen, ich konnte heute morgen nicht mal selbst aus dem Bett aufstehen."

Sie: "OK, Herr Mayer. Was haben Sie denn?"

Ich: "Ich habe unglaubliche Rückenschmerzen. Jetzt gerade geht's, aber in der Nacht ist es unerträglich und ich kann morgens kaum aufstehen."

Sie: "Aber jetzt gerade geht's?"

Ich: "Ja, mir tut zwar alles weh, aber es geht."

Sie: "Naja, wenn es jetzt gerade geht, dann kann ich Ihnen keinen Akuttermin geben. Das ist nur für Leute, die wirklich gerade Schmerzen haben. Ich hätte da in 7 Wochen was für Sie."

Ich: "Gut, nein so lange kann ich nicht warten."

 

Ich kann mich nicht mehr rühren und bin kein akuter Fall?

 

Nächster Versuch, nächster Orthopäde:

Ich: wieder die gleiche Geschichte. "Kein Schlaf, Rücken, Schmerzen, sehr viel aua."

Sie: "Sind Sie privat oder gesetzlich versichert?"

Ich: "gesetzlich."

Sie: "Dann hätte ich im Juni was für Sie." (Es war März!)

Ich: "Nein, Danke."

 

[Es folgten noch 2-3 ähnliche Telefonate]

 

Letzter Versuch, letzter Orthopäde:

"Wie sieht es bei Ihnen in vier Wochen aus?"

 

Gut - näher komm ich nicht dran. Ich nehme den Termin.

 

Meinem ersten Termin beim Orthopäden möchte ich einen eigenen Blog-Eintrag widmen. Denn auch da bin ich mit Dingen konfrontiert worden, die ich vorher so noch nicht erlebt habe. Mehr dazu in Teil #5.

 

Mir ist klar, dass es anderen Leuten auf der Suche nach einem Facharzttermin genauso geht wie mir. Aber wenn Du einfach nur Schmerzen hast und nicht weißt was mit Dir los ist, willst Du einfach nur gehört und behandelt werden. Und ins Krankenhaus wollte ich nicht fahren - es gibt Leute die viel dringender ins Krankenhaus müssen. Das war zumindest immer mein Gedanke. Weil ja auch noch diejenigen in der Notaufnahme sitzen, die übertrieben formuliert "nur einen Schnupfen haben".

 

Das war mittlerweile kein Spaß mehr. Die vier Wochen bis zum Termin habe ich nachts mit Ibuprofen-Tabletten überbrückt. Und mittlerweile hatte sich der Schmerz auch auf meinen Brustkorb und das Brustbein ausgebreitet. Klar, weil ich mich jede Nacht gekrümmt hatte. Dachte ich zumindest...

 

Wie ging es Dir auf der Suche nach einem Facharzttermin? Bist Du gleich beim richtigen Arzt gelandet? Schreib gerne unten einen Kommentar!

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Kommentare: 1
  • #1

    Christopher (Dienstag, 15 Juni 2021 13:45)

    Also nur negativ über Orthopäden zu schreiben find ich nicht ganz fair.., dass kommt so rüber als ob alle Orthopäden keine Zeit, Lust und nicht die richtige Diagnose gefunden haben.